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Singen ist Medizin

Wer regelmäßig singt, bleibt länger gesund   Singen ist eine der ältesten Ausdrucksmöglichkeiten des Menschen. Die Wirkungen des Musizierens mit der eigenen Stimme auf Körper, Geist und Seele beschäftigen die Wissenschafter aber erst in jüngster Zeit. Was sie ans Licht bringen, führt unweigerlich zu dem Schluss: Regelmäßiges Singen ist so gesund, dass es eigentlich ärztlich verordnet werden sollte. Lesen Sie, warum Gesang so sinnvoll und lustvoll ist – und singen Sie!   

Montags, nach der Chorprobe in einem Vereinslokal in Wien: Es herrscht ein quirliges Durcheinander, da und dort summt noch jemand eine Melodie. Zwei Stunden lang haben die 20 begeisterten Chorsängerinnen und -sänger ihre Stimmen erhoben. Alle 20 sind über 50 – und wirken so frisch und fröhlich, dass es eine Freude ist. Die Älteste im Sängerbunde ist 82! Man sieht es ihr nicht an: „Das Singen hält mich in Schwung“, lacht sie. „Seit ich singe, bin ich viel ausgeglichener, mehr im Einklang mit mir selbst“, erzählt eine andere. „Wenn ich singe, sind die Zipperleins, die das Älterwerden so mit sich bringt, wie weggeblasen“, freut sich eine Dritte. „Nachdem meine Frau gestorben ist“, sagt einer der wenigen Herren im Raum, „war ich oft sehr allein. Dann habe ich mich diesem Chor angeschlossen. Einsamkeit und Trübsalblasen sind für mich Fremdwörter geworden, das gemeinsame Singen tut mir richtig gut!“ Und einstimmig bekennen die Chorsänger: „Singen macht einfach Spaß!“ Freude ist die sichtbarste Nebenwirkung des Singens. Doch Gesang kann noch viel mehr: Singen ist Medizin – mit vielen erwünschten und keinen unerwünschten Nebenwirkungen. Schon seit einigen Jahren wird es im therapeutischen und klinischen Bereich angewandt. Man denke nur an Alzheimer-Patienten, die über ein ihnen bekanntes Lied plötzlich wieder Zugang zu verloren geglaubten Erinnerungen bekommen. Oder an Schlaganfall-Patienten, die über den Gesang zum Sprechen zurückfinden. Was den wenigsten bewusst ist: Singen ist Vorsorgemedizin, hilft bei der Gesunderhaltung von Körper, Geist und Seele.

Regelmäßiges Singen

  • unterstützt die Atemtätigkeit
  • stärkt das Herz
  • kurbelt die Darmaktivität an
  • bringt den Kreislauf in Schwung
  • reguliert den Blutdruck
  • erhöht die Sauerstoffsättigung im Blut
  • regt die Selbstheilungskräfte an
  • löst Verspannungen
  • sorgt für Ausgeglichenheit
  • baut Aggressionen ab
  • vertreibt Ärger und Stresssymptome
  • hebt die Stimmung
  • weckt die Lebensgeister
  • hält das Gedächtnis in Schuss
  • fördert die Konzentrationsfähigkeit
  • macht kontaktfreudiger und selbstbewusster

Das ist beachtlich. Wie geht das? Im Wesentlichen muss man dazu nur A und B sagen, nämlich Atmung und Balance.

Singen ist Atmen
Genauer genommen: Singen ist gestaltetes Atmen, sagt Univ. Prof. Dr. Gertraud Berka-Schmid (siehe Interview). Wer singt, verlängert die Zeit des Ausatmens (damit der Ton gehalten werden kann) und variiert die Zeit des Einatmens (je nachdem, ob ein schnelles oder langsames Stück gesungen wird). Wer singt, benützt automatisch die gesunde Bauch-Flanken- bzw. Tiefatmung statt der Brust- bzw. Hochatmung. Und da tut sich einiges: Wenn tief eingeatmet wird, senkt sich das Zwerchfell, das wiederum sämtliche Baucheingeweide, die darunter liegen, hinunterdrückt. Das ist „innere Darmmassage“, hilft dem Darm bei der Verdauungsarbeit. Beim „tief“ Ausatmen dagegen bewegt sich das Zwerchfell und damit auch alles, was darunter im Bauchraum liegt, wieder nach oben. Und dieser „Sog“ entlastet das Herz, denn so muss es den venösen Rückstrom des Bluts aus „entlegenen“ Körperregionen nicht ganz alleine bewerkstelligen. Die Tiefatmung führt weiters dazu, dass auch die unteren Teile der Lunge, die Lungenbasen, gut belüftet werden. Mit der Tiefatmung wird die Sauerstoffsättigung erhöht, kommt der Kreislauf in Schwung – und das hat Folgen für die Gesundheit: der Stoffwechsel flutscht, Organe und Gehirn werden besser durchblutet, das Gedächtnis funktioniert, die Konzentrationsfähigkeit steigt.

Singen ist Balance
Singen bringt uns wieder in Takt, bringt das vegetative Nervensystem ins Gleichgewicht, das gerade in unserer Zeit bei vielen Menschen aus dem Lot ist. Das Vegetativum ist jener Teil des Nervensystems, der nicht unserem Willen unterworfen ist, der für „autonome“ Vorgänge im Körper wie für die Atem-, Herz- und Verdauungstätigkeit zuständig ist. Hier sind die beiden Gegenspieler Sympathikus und Parasympathikus am Werk: Der Sympathikus ist bei Aktivität, bei Leistung und Stress im Spiel, das bedeutet: Erhöhung der Atem- und Herzfrequenz, Erhöhung des Blutdrucks – die Symptomatiken der modernen Leistungsgesellschaft. Der Gegenspieler, der Parasympathikus, sorgt für Beruhigung und Entspannung – kommt bei vielen Menschen, die ständig unter Druck stehen, also viel zu selten zum Zug. Die Folgen des Ungleichgewichts zwischen Aktivität und Entspannung, zwischen erhöhter Sympathikusaktivität und verringertem Parasympathikus, sind bekannt: Schlafstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Burn-out etc. Beim Singen, beim Tiefatmen aktiviert man automatisch viele Parasympathikusanteile, der sonst so beanspruchte Sympathikus hat Pause – die Balance ist wiederhergestellt. Und ein Organismus, der in Balance ist, kann sich eher selbst gegen Krankheiten wehren, die Selbstheilungskräfte funktionieren besser.

Singen ist Ausdruck
Singen schafft auch Balance auf seelischer Ebene. Die (Un-) Summe von Eindrücken, die wir von außen aufnehmen, muss auch wieder hinaus. Die Folgen der Überstimulation, ebenfalls ein Problem der modernen Zeit, sind bekannt: Der Mensch kann sie nicht mehr verkraften, verschließt sich, zieht sich zurück, stumpft ab, verstummt oder erhöht die Aggression. Über die Stimme und insbesondere über die Singstimme kann man den vielen täglich aufgenommenen Eindrücken wieder Ausdruck verleihen. Das Singen kann als Möglichkeit schlechthin gesehen werden, um Gefühle, die nicht in Worte gefasst werden (können), loszuwerden. Man denke nur an Klagelieder und Trauergesänge. Das sorgt für seelische Ausgeglichenheit, mit allen positiven Konsequenzen für die seelische Gesundheit.

Singen ist Vitalität
Singen schafft über die Tiefatmung die Verbindung und Vitalisierung des Beckenbereiches. Das ist der Grund, warum Singen so belebt, so fröhlich macht, so lustvoll ist. Und das Schönste ist: All das funktioniert beim Singen automatisch! Das richtige Atmen, das befreiende Ausbalancieren und all die positiven Nebenerscheinungen stellen sich von selbst ein. Natürlich kann professionelle Anleitung etwa bei der Atmung helfen, die Ergebnisse zu verbessern und damit auch die Wirkung zu erhöhen, aber: Die „gesundheitserregenden“ Effekte des Singens stellen sich auf jeden Fall ein, ganz egal, ob man alleine unter der Dusche, zu zweit im Kanon oder mit mehreren Sangeskollegen in einem Chor ein Lied anstimmt. Und es ist auch egal, ob man falsch singt. Hauptsache, man tut es. 

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Froh zu sein bedarf es wenig: 
Der Kanon als Schule der Partnerschaftlichkeit

Kanon singen ist weit mehr als ein Klangerlebnis. Beim Kanon singen kann man ganz nebenbei Partnerschaftlichkeit lernen. Während bei den meisten mehrstimmigen Gesangsstücken eine Stimme die Führung übernimmt und die anderen als „Begleitung“ fungieren, ist der Kanon gleichberechtigte Mehrstimmigkeit: Jeder singt mit eigener Stimme dieselbe Melodie. Dabei mag es anfangs stören, wenn der andere einsetzt. Doch mit der Zeit lernt man, die eigene Stimme zu halten, sich selbst ebenso wahrzunehmen wie den anderen, der ebenfalls bei seiner Stimme bleibt – und freut sich am Schluss darüber, gemeinsam, als gleichberechtigte Partner etwas geschaffen zu haben.

   
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